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BERGISCHE KRAEHER

A German native longcrower.

Bergische Kraeher in German / Bergische Kraeher in English



 

 

If you read German, here is a superb article about this native German breed, written by one of the authorities on the breed, Mr Armin Six. Used with permission. I need to sit down and translate it for the English page! hours and hours........

 

Die Bergischen Kräher Hühnerrasse mit Vergangenheit


Armin Six

 

Noch lange bevor man in Deutschland an eine organisierte Rassegeflügelzucht dachte, wurden im Bergischen Land Hähne mit einem tiefen und außerordentlich langen Krähruf gezüchtet. Erfreuten sie sich früher in ihrer Heimatregionen großer Beliebtheit, sind sie heute in ihrem Bestand als extrem gefährdet einzustufen. Die Bestanderfassung des BDRG aus dem Jahr 2000 konnte bundesweit gerade noch 28 Zuchten registrieren. Dies hat die GEH (Gesellschaft zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen) dazu veranlaßt, die Bergischen Kräher zusammen mit den Bergischen Schlotterkämmen, den Krüpern und der Bayerischen Landgans zu den Rassen des Jahres 2001 zu ernennen.

 

Entstehung und Werdegang

 

Die Entstehung dieser in Westeuropa einzigartigen Rasse liegt so weit zurück, daß hierüber keine belegbaren Angaben vorliegen. Fest steht nur, daß die Herausbildung und Entwicklung der Rasse untrennbar mit dem Merkmal des Langkrähens verbunden ist, was durch die über Jahrhunderte zurückreichende Tradition der Wettkrähen zum Ausdruck gebracht wird. Will man Licht ins Dunkel ihrer Entstehung bringen, besonders was die Frühzeit der Rassegeschichte betrifft, so ist man auf die Interpretation alter Sagen und Legenden angewiesen.

 

Eine Sage deutet auf die Entstehung der Bergischen Kräher bereits im Mittelalter hin (siehe z.B. Wieden 1949). Danach hatte sich der Graf von Berg auf dem Rückweg von Kaiser Barbarossas Kreuzzug im Jahre 1190 in unwegsamen Gelände verirrt. Als er nach drei Tagen von dem langgezogenen Krähruf eines Hahnes zu einer Behausung geführt wurde, kaufte er aus Dankbarkeit den Hahn samt einiger Hennen und nahm die Tiere mit ins Bergische Land. Hier wurden sie gehegt und gepflegt und ihre eifrigsten Förderer waren allezeit die Grafen von Berg. Mönche des nahegelegen Klosters Altenberg sollen die Rasse dann über das gesamte Bergische Land verbreitet haben.

 

Auch wenn Sagen oftmals einen wahren Kern haben, sollte man sie nicht wörtlich nehmen, denn oft werden in ihnen verschiedene historische Ereignisse miteinander verwoben. So vermutlich auch hier. Zwar beteiligte sich tatsächlich einer der Grafen von Berg, Engelbert I., an Barbarossas Kreuzzug, doch verstarb er bereits auf der Hinreise im Juni 1189 in Serbien (Hashagen, Narr, Rees & Strutz 1958). Bedenkt man aber, daß Engelberts Vater, Graf Adolf II, aus dem vorhergehenden zweiten Kreuzzug (1147-49), der bis nach Damaskus führte, wohlbehalten zurückkehrte, könnte hier ohne weiteres der besagte "wahre Kern" der Legende liegen.

 

Gerade in jüngster Zeit hat diese alte Sage mit der Einfuhr der türkischen Denizli-Kräher durch W. Vits 1987 erheblichen Auftrieb erhalten. Bei den Denizli-Krähern handelt es sich um eine außerordentlich alte Rasse. Nach Informationsblättern des dem türkischen Landwirtschaftsministeriums unterstehenden Instituts zu Erhaltung der Denizli-Kräher in der gleichnamigen Stadt war sie bereits in vorosmanischer, also byzantinischer Zeit in der heutigen Türkei vorhanden, was eine Entstehung vor 1453 (endgültige Eroberung des byzantinischen Reiches durch die Osmanen) bedeutet. Somit wäre also das mittelalterliche Vorhandensein einer Langkräherrasse im ehemaligen Kreuzzuggebiet bestätigt. Da jedoch die Legende nichts darüber aussagt, wo der Graf sich auf seinem langem Rückweg verirrt haben soll, ist auch ein Bezug zu einer weiteren Langkräherrasse denkbar, den Bosnischen Krähern. Deren Verbreitungsschwerpunkt lag im südlichen ehemaligen Jugoslawien und angrenzenden Albanien. Bosnische Kräher wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts mehrfach beschrieben (siehe Wieden 1949). Danach handelte es sich um in ihrem äußeren Erscheinungsbild variierende Landhuhnformen, die teils Ähnlichkeit mit den Altsteirern zeigten. Der Krähruf soll dem der Bergischen Kräher vergleichbar gewesen sein bei einer Länge von 20 bis 30 Sekunden.

 

Führt man sich vor Augen, daß der südliche Balkanraum über Jahrhunderte unter türkischer Herrschaft stand und zuvor zeitweise Bestandteil des byzantinischen Reiches war, so ist sicher von einem verwandtschaftlichen Bezug von Bosnischen Krähern und Denizli-Krähern auszugehen, zumal letztere auch gelegentlich den für Altsteirer typischen Schopf zeigen.

 

Für die besagte Legende spricht weiterhin, daß die Grafen von Berg als Förderer der Rasse maßgeblich an der Ausrichtung der Krähwettbewerbe beteiligt waren (Wieden 1949, 1952). So zeigten sie sich auch bei der Dotierung der Siegesprämien keineswegs geizig: Der Legende nach soll gar ein großer Bauernhof erster Preis gewesen sein (Wandelt & Wolters 1996).

 

Auch äußere Merkmale der Bergischen Kräher lassen Rückschlüsse auf die Herkunft der Rasse zu. So deutet die z.T. (wie auch bei den Denizli-Krähern) auftretende asiatische Gefiederbremse auf kampfhuhnartige Vorfahren hin.

 

Ob es jedoch bei einer einmaligen Einfuhr dieser Langkräherrassen blieb, ist fraglich. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte ein führender Kräherzüchter, seines Zeichens Seidenkaufmann, nachweislich Geschäftsverbindungen in den nahen und fernen Orient, über die man damals jedoch nicht gerne sprach und welche er dazu genutzt haben könnte, den Krähruf seiner Bergischen Kräher durch Einkreuzung anderer Langkräherrassen aufzubessern (Vits 1994). Langkräherrassen sind mittlerweile aus der Türkei (Denizli-Kräher), Japan (Koeyoshi, Totenko, Tomaru), Rußland (Jurlower Kräher) und Indonesien bekannt. Einen vagen Hinweis für eine eventuelle Einfuhr solcher Tiere lieferte dieser namentlich bekannte Züchter selbst: Er gibt an, er habe 1877 einen seltenen Bergischen Kräher ausgestellt, bei dessen Krähruf man von 1-70 ! zählen konnte, der jedoch nach der Ausstellung aufgrund des schlechten Wetters krank wurde und wenig später starb (Wolff 1879). Sollte hier etwa ein "seltener" Kräher aus dem Ausland mit unseren Witterungsbedingungen nicht zurecht gekommen sein?

 

Daß es im Laufe der Jahrhunderte zu Kreuzungen mit den bodenständigen bergischen Landhühnern kam, ist sehr wahrscheinlich. Um welche Landhühner es sich hierbei gehandelt haben könnte, ist heute nicht mehr mit Sicherheit nachweisbar, zumal in jener Zeit eine Rassegeflügelzucht in heutigem Sinne noch nicht stattgefunden hat. Es könnten Vorfahren der Sprenkelrassen gewesen sein, worauf Farbe und Zeichnung der heutigen Bergischen Kräher hindeuten (Wieden 1992). Auch Wandelt (1992) sieht einen Zusammenhang zwischen der Dobbelung der Bergischen Kräher als gröbster Form der Säumung und der bei Sprenkelrassen vorkommenden Tupfung. Er hält für denkbar, daß die Bergischen Kräher aus der Kombination mehr oder weniger schwarzer Langkräher mit gesprenkelten bzw. getupften Landhühnern hervorgegangen sind. Eine These, für die durchaus einige Argumente sprechen. So gab es bis zur Formulierung der ersten Musterbeschreibung 1885 neben den gedobbelten auch schwarze Kräher (Wieden 1955), die jedoch damals als Farbschlag nicht anerkannt wurden, was aus heutiger Sicht sicher bedauerlich ist. Friedrich Wieden weist 1927 darauf hin, daß ein kleiner schwarzer Hahn Ende des 19. Jahrhunderts über mehrere Jahre hinweg die Wettkrähen gewonnen habe und gibt darüber hinaus an, daß der längste jemals überlieferte Krähruf (unglaubliche 72 Sekunden, s.u.) von einem schwarzen Hahn stammte. Auch heute noch fallen in der Zucht Bergischer Kräher immer wieder überwiegend schwarz gefärbte Tiere an. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Aussage Dürigens (1921), bei der er sich auf Mitteilungen eines alten Züchters beruft, wonach in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts der Cronenberger Kräherzüchter Jansen seine nach ihm benannte Kräherzucht ("Jansenshuhn") aus dem "Schwarzen Bergischen Huhn" und dem gelben westfälischen "Strohhuhn" herausgezüchtet habe. Die Assoziation Dürigen´s, es handele sich bei diesem "schwarzen Bergischen Huhn" um die Schlotterkämme, erscheint äußerst unwahrscheinlich, denn bei der damals vorherrschenden Zucht auf den langen Krähruf ist davon auszugehen, daß nur langkrähende Bergische Schläge, also Kräher bzw. deren Vorläufer, in diese Zucht einflossen. Es ist also viel wahrscheinlicher, daß dieses "schwarze Bergische Huhn" nicht anderes als eine ursprüngliche Form der Bergischen Kräher verkörperte. Das daneben erwähnte westfälische Strohhuhn, das durchaus Bezug zu getupften oder gesprenkelten Rassen gehabt haben kann und auch von Kramer (1926) als ein Vorfahr der Bergischen Kräher genannt wird, ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts ausgestorben. Gebigke (1951), der diese Tiere selbst noch gesehen hat, beschreibt sie als goldgelbe Hühner von der Größe und Figur der Kräher, was ebenso für eine nahe Verwandtschaft zu diesen spricht wie die Tatsache, daß die gedobbelten Bergischen Kräher in früheren Zeiten weitaus stärker gelb gefärbt waren. So spricht Oettel 1887 von einem hellen oder goldigem Gelb mit schwarzen Flecken und auch heute noch treten immer wieder stark gelbe, lediglich schwarz getupfte Tiere auf. Ob es sich bei diesem Strohhuhn nun um die zuvor erwähnten bodenständigen Landhühner gehandelt hat oder bereits um eine Kombination aus eingeführten Langkrähern und Landhühnern, ist zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr sicher zu beantworten, denn die ältere Literatur sagt nicht darüber aus, ob das Strohhuhn über einen langgezogenen Krähruf verfügte. Es ist jedoch nicht anzunehmen, daß der Einfluß heimischer Landhühner übermäßig stark war, denn jede Einkreuzung kurzkrähender Rassen mußte zwangsläufig negative Auswirkungen auf die Langkräheigenschaft haben. Dafür sprechen auch die Ergebnisse molekulargenetischer Untersuchungen, die den Bergischen Krähern eine große genetische Distanz zu allen anderen untersuchten Rassen bescheinigen, wobei lediglich ansatzweise Beziehungen zu den Nordwesteuropäischen Rassen bestehen (Romanov & Weigend 2001 in press.).

 

Die Darstellung des zuvor erwähnten "Jansenshuhnes" zeigt uns jedoch noch etwas anderes. Hier kommt deutlich zum Ausdruck, daß Kräherzüchter bereits zu Anfang des 19. Jahrhunderts eine bewußte Selektion und geplante Zucht nach Linien durchführten. So schreibt Dürigen weiter: "Die alten Bergischen Züchter, die übrigens ganz genau auf die Eigenschaften und Merkmale der Kräher achteten und streng auf den Einzelforderungen an die Hühner bestanden, erkannten an dem Schrei des Hahns und an charakteristischen Äußerlichkeiten die Abstammung der Tiere." Dies ergab sich aus dem Zwang, auf eine festgesetztes Zuchtziel, also den langen Krähruf, zu selektieren. Ein Phänomen, daß für die Geflügelzucht in Deutschland zu diesem Zeitpunkt sicher einzigartig ist und deutlich untermauert, daß wir es bei den Bergischer Krähern wohl mit der ältesten deutschen Hühnerasse, auch in heutigem Sinne, zu tun haben.

 

Die zweite Legende, welche auch in der ersten Musterbeschreibung von 1885 Erwähnung findet (siehe Wieden 1949) sieht einen wesentlichen Ursprung der Bergischen Kräher wie auch der anderen Bergischen Rassen (Dürigen 1921) in Spanien. Danach sollen spanische Mönche Ende des 18. Jahrhunderts langkrähende Hähne in den Raum Wuppertal eingeführt haben, aus denen durch Kreuzung mit dem bereits oben erwähnten, gelben westfälischen Strohhuhn die Bergischen Kräher hervorgegangen sein sollen (beschreiben z.B. bei Wieden 1949). Dies erscheint jedoch unwahrscheinlich, wenn man bedenkt daß das Bergische Land protestantisch war und spanische Mönche sicher nicht geduldet hätte. Wahrscheinlicher wäre eine eventuelle Einfuhr spanischer Hühner über die ehemals spanischen Niederlande, worauf Dürigen hinweist, zumal in jener Zeit in den Niederlanden und angrenzenden Bereichen Westdeutschlands ein spanisches Huhn gezüchtet wurde. Die Annahme eines Einflusses spanischer Hühner auf die Entwicklung der Kräher zieht sich durch die gesamte ältere Geflügelliteratur (Auflistung siehe Reber 1990) und wird oft mit der vergleichbaren Figur, der stolzen, aufgerichteten Haltung, den hohen Eigewichten und dem fehlenden Bruttrieb der Kräher begründet. Dennoch scheint diese Annahme äußerst unwahrscheinlich, wenn man sich vor Augen hält, daß aus dem spanischen Raum bis heute keine Langkräherrassen bekannt sind, worauf bereits Wieden 1949 richtigerweise hinweist. Die beschriebenen Ähnlichkeiten können durchaus zufälliger Natur sein. So kann die stolze, aufgerichtete Haltung ebenso gut ein Erbe leicht kampfhuhnartiger, vorderasiatischer Langkräher darstellen, wobei bedacht werden muß, daß diese Rassen Ende des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa noch nicht bekannt waren und als Vergleich unter der ausländischen Landhuhntypen zu jenem Zeitpunkt nur die spanischen und italienischen Rassen in Frage kamen. Schaut man sich z.B. schwarze Denizli-Kräher an, so erinnern diese mit Ausnahme der Ohrlappenfarbe, die jedoch im Ursprungsland ohnehin variabel ist, durchaus an die Kastilianer als Prototyp der spanischen Hühner. Die fehlende Brutlust ist nicht nur den spanischen Rassen eigen, sondern kommt genauso bei anderen Rassegruppen wie z.B. den nordwesteuropäischen und Rassen vor. Weiterhin sind derartige Angaben nicht als absolut zu betrachten. So belegen persönliche Mitteilungen erfahrener Kräherzüchter, daß Kräherhennen, zumindest in einzelnen Zuchten, durchaus zur Brut schreiten können. Sollte die Einfuhr spanischer Hühner ins Bergische Land also tatsächlich stattgefunden haben, so hat sich ihr Einfluß sicher im wesentlich auf die später als Bergische Schlotterkämme bzw. Bergische Krüper bezeichneten Populationen beschränkt, die eventuell auch erst durch diese Einkreuzung nach und nach von den Krähern getrennt wurden (s.u.).

 

Da die Selektion bis zum Beginn der organisierten Geflügelzucht ab Mitte des 19. Jahrhunderts überwiegend auf den langen Krähruf ausgerichtet war, spielten Farbe und Zeichnung bis zum Beginn der Ausstellungszucht (Wendepunkt in der Zuchtauffassung) überhaupt keine Rolle. Neben den gedobbelten und schwarzen kamen, wenn auch vielleicht vereinzelt, noch weitere Färbungen vor. So gibt Friedrich Wieden 1927 an, einige Jahre zuvor selbst noch einen blaugesperberten Kräherhahn mit goldigem Behang und gelben Beinen angetroffen zu haben. Die Zucht auf einheitliche Farbe und Zeichnung beginnt erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch das in England entstandenen Schauwesen.

 

Auch wird häufig die Frage gestellt, ob nun die Kräher aus den Schlotterkämmen hervorgegangen sind oder umgekehrt (siehe z.B. Dürigen 1921, Wandelt & Wolters 1996). Führt man sich vor Augen, daß die Selektion über Jahrhunderte fast ausschließlich auf den langen Krähruf ausgerichtet war und auch die Schlotterkämme noch Ende des 19. Jahrhunderts zumindest teilweise über dieses Merkmal verfügten (Dürigen 1921), so wird deutlich, daß die Kräher mit größter Wahrscheinlichkeit die ältere Variante darstellen. Eine Abtrennung der Schlotterkämme fand vermutlich erst mit Beginn der organisierten Geflügelzucht Mitte des 19. Jahrhunderts statt, wobei denkbar ist, daß der zuvor erwähnte eventuelle Einfluß spanischer Hühner auf einzelne Zuchten diese Trennung mit herbei geführt hat. Sicher ist hingegen, daß später, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, die kurz zuvor eingeführten Minorka in größerem Umfang in die Schlotterkämme eingekreuzt wurden, wie z.B. Dürigen (1921) und Wieden (1952) zu berichten wissen. Ernst Rübenstrunk Jun. schreibt 1922 über die Schlotterkämme: "Minorka- und Kräherblut fließt in ihren Adern". Diese eventuell in mehreren Etappen stattgefundene Einkreuzung spanischer Hühner hat sicher zum schrittweisen Verlust des langen Krährufes bei den Schlotterkämmen geführt. Daß heute einige Hähne der schwarz-weißgedobbelten Schlotterkämme trotzdem über einen längeren Krähruf verfügen, resultiert aus der Tatsache, daß diese in den 20er Jahren ausgestorbene Variante erst in jüngerer Zeit, ebenso wie die gedobbelten Farbschläge der Krüper, auf der Basis von Bergischen Krähern wiedererzüchtet wurden (sieh z.B. Wieden 1967, Weber 1977).

 

Der Krähruf

 

Namensgebendes Merkmal der Bergischen Kräher ist ihr langer, melodischer Krähruf. Der typische Krähruf eines Bergischen Kräherhahnes unterscheidet sich neben der Länge vom Ruf der meisten anderen Rassen dadurch, daß der Hahn während des Krähens den Kopf nach unten senkt und dabei einige Schritte vorwärts geht, eine Krähweise, die bereits Dürigen 1921 beschreibt. Er endet im Idealfall mit dem "Schnork", einem Ton, der entsteht, wenn der Hahn nach dem Krähen wieder Luft einsaugt. Der Hahn soll eine klare Stimme haben, der Ruf melodisch sein, tief beginnen, dann steigen und zum Ende hin wieder fallen. Über die Länge des Krährufs der Bergischen Kräher in früherer Zeit existieren zum Teil widersprüchliche Angaben. Besonders irritierend sind alte Berichte, die den Krähern Ruflängen von über 30, z.T. sogar 70 (s.o.) "Sekunden" bescheinigen. Diese Zahlen sind differenziert zu betrachten und in einigen Fällen sicher ein Ergebnis des damaligen Zählmodus, denn Stoppuhren waren noch nicht vorhanden. Die älteste Zählmethode basiert auf den sogenannten "Stappen". Dabei wurde kontinuierlich mit dem Fuß auf den Boden geklopft und die Anzahl dieser "Stappen" während des Krährufes gezählt. Später wurde eine Methode angewendet, bei der man ab 21 mit dem Zählen begann und dann gemächlich, also etwa im Sekundentakt, weiterzählte. Krähte ein Hahn nun 10 Sekunden lang, so erhielt er 30 Punkte, was sicherlich zu Fehlinterpretationen geführt hat. So schreibt Dürigen (1921), daß der Krähruf der Bergischen Kräher etwa dreimal so lang sei wie der anderer Hähne, was ca. 9-10 Sekunden entspricht. Gebigke schreibt 1954, daß von einem Kräherhahn eine Ruflänge von 15-18 Sekunden verlangt werde. Daß der Ruf in Ausnahmefällen jedoch deutlich länger sein konnte, belegen Aussagen langjähriger Züchter, nach denen in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts Hähne 23 bzw. 36 Sekunden gekräht haben. Die Hähne mit den längsten Krährufen stammten oft aus der Zucht Bergischer Landwirte, auf deren Höfen schon seit Generationen Kräher gezüchtet wurden. Diese Züchter richteten ihr Hauptaugenmerk ausschließlich auf den Krähruf und beteiligten sich meist nicht am Schauwesen. Heutige Spitzenkräher liegen bei 10-11 Sekunden. Gelegentlich kommt es vor, daß auch Hennen einen langgezogenen Ruf ausstoßen, der ebenfalls mit einem schnorkähnlichen Laut, dem sogenannten Hennen-Schnork, endet. Selbstverständlich sind diese Hennen für die Weiterzucht besonders wertvoll.

 

Wechselvolle Geschichte

 

Betrachtet man die Geschichte der Bergischen Kräher in den letzten 200 Jahren, so ist sie durch eine ganze Anzahl von Höhen und Tiefen geprägt, wie Friedrich Wieden 1955 anschaulich beschreibt. Einen ersten Einschnitt gab es bereits 1815, als das Bergische Land an Preußen fiel. Dabei verloren die Grafen von Berg ihren Einfluß und konnten die Wettkrähen nicht mehr in gewohnter Weise unterstützen. Diese fanden zwar weiterhin bis zum Ende des 19. Jahrhunderts statt, aber der Anreiz in Form hoher Preise fehlte.

 

Einen neuen Aufschwung gab es mit Beginn der organisierten Geflügelzucht Mitte des 19. Jahrhunderts. Anläßlich der ersten deutschen Geflügelausstellung 1854 in Görlitz war auch ein Stamm Bergische Kräher vertreten, der großes Aufsehen erregte. Bald kam es auch zur Gründung der "Kräherzüchtervereinigung" und Aufstellung der ersten Musterbeschreibung 1885, bei der man sich auf einen Farbschlag, den schwarz-gelbgedobbelten einigte und die Schwarzen nicht anerkannte. Wenn auch der Wunsch der damaligen Züchter nach einem einheitlichen Farbbild verständlich ist, so ist diese Entscheidung aus heutiger Sicht doch kritisch zu betrachten, da die völlige Eliminierung eines gesamten Farbschlages sicher zu einer genetischen Verarmung geführt hat.

 

Hinzu kam, daß mit zunehmender Ausstellungszucht der Krähruf immer mehr vernachlässigt wurde. Friedrich Wieden schreibt 1927 treffend: "Mit der Aufstellung einer Musterbeschreibung war das Schicksal der Bergischen Kräher in Betreff des Krährufes besiegelt. Es kam damals gar nicht darauf an, wie die Musterbeschreibung lautete. Die Aufstellung einer Musterbeschreibung im allgemeinen gab den Ausschlag, denn sogleich, nachdem eine Musterbeschreibung aufgestellt war, stellten sich auch viele Züchter auf dieselbe ein, denn sie wollten unbedingt auf den Ausstellungen ihre Lorbeeren ernten." Die gleichzeitige Selektion auf Krähruf und äußere Merkmale stellt eine Herausforderung dar, vor der auch heute noch viele Züchter stehen. Dies hat dazu geführt, daß einige Züchter sich vorzugsweise der Ausstellungszucht widmen, während andere ihr Hauptaugenmerk auf den langgezogenen Krähruf richten. Eine weitere Gruppe von Züchtern versucht, beide Komponenten zu berücksichtigen. Dies erfordert jedoch eine gewisse Kompromißbereitschaft. Der Züchter muß den "Mut" haben, auch einmal einen Hahn mit Ausschlußfehlern, wie z.B. Doppelzacken, in die Zucht zu nehmen, sofern er über außergewöhnliche Kräheigenschaften verfügt. Denn auch Ausschlußfehler vererben sich nicht durchgängig und die "Ausfälle" halten sich bei Anpaarung geeigneter Hennen in Grenzen. Auch muß der Züchter bereit sein, die Junghähne so lange zu halten, bis endgültige Aussagen über ihre Kräheigenschaften möglich sind.

 

Neben dem Verbreitungsschwerpunkt im Bergischen Land werden Bergische Kräher bereits seit dem 19. Jahrhundert auch in Sachsen gezüchtet. Dort hatte sich im besonderen Robert Oettel für ihre Zucht eingesetzt. Schon 1884 entstand hier eine Züchtervereinigung, aus der später die SZG für Bergische Kräher hervorging. Auch diese führte jährlich Wettkrähen durch, eine Tradition, die von den Sächsischen Züchtern bis heute fortgeführt wird.

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts machte der sogenannte "Kräherstreit" in der damaligen Fachpresse von sich reden. Ursache dieses Streits waren unterschiedliche Auffassungen über die Schwanzfarbe der Tiere. Während die Bergischen Züchter für schwarze Schwänze eintraten, bevorzugten die Sächsischen, hier im Besonderen der damalige 1. Vorsitzende Emil Schneeberger, Bronzeschwänze. Diese Streitigkeiten haben der Kräherzucht, zusammen mit dem ersten Weltkrieg, sehr geschadet. Auch hatte der Krähruf inzwischen stark nachgelassen. Aus diesem Grund führte die 1916 gegründete "Vereinigung der Züchter Bergischer Hühnerrassen" ab 1923 die Wettkrähen wieder ein, die seitdem, unterbrochen durch den zweiten Weltkrieg, bis zum heutigen Tage veranstaltet werden.

 

Wer Interesse an dieser wohl ältesten und einzigartigen deutschen Hühnerrasse gefunden hat, kann sich jederzeit an den Verfasser wenden: Armin Six, In der Litzel 9, 57339 Erndtebrück, Tel. 0175/2347109 bzw. 05034/871181.

 

Literatur

 

Dürigen, B. (1921): Die Geflügelzucht. 3. Auflage. Paul Paray, Berlin.

Gebigke, F. (1951): Alte Bergische Hühnerrassen. Deutscher Geflügelhof 9. März 1951, Oldenburg.

Gebigke, F. (1954): Bergische Kräherfeste. Der Geflügelhof Nr. 15/1954, Frankfurt am Main.

Hasbergen, J., Narr, K.J., Rees, W. & Strutz, E. (1958): Bergische Geschichte, S. 65. Ad. Mann Nachfl., Remscheid-Lennep.

Kramer (1926): Taschenbuch der Rassegeflügelzucht. 3. Auflage. Universitätsdruckerei H. Strürtz, Würzburg.

Oettel, R. (1887): Der Hühner- oder Geflügelhof. 7. Auflage, herausgegeben von W. Liebeskind. Verlag Bernhard Friedrich Voigt, Weimar.

Reber, U. (1990): Melodie, Dobbeln und kurze Ständer: Bergischer Dreiklang. Deutscher Kleintier-Züchter 22/1990, S. 4-7. Oertel + Spörer, Reutlingen.

Romanov, M.N. & Weigend, S. (2001): Analysis of genetic relationship between various populations of domestic and jungle fowl using microsatellite markers. Poultry science 80, in press).

Rübenstrunk, E. jun. (1922): Deutsche Hühnerrassen. Verlag Fritz Pfenningstorff. Berlin.

Vits, W. (1994): Langkräher aus aller Welt. Geflügel-Börse 2/1994, S. 2-4. Verlag Jürgens, Germering.

Wandelt, R. (1992): Verleumdet verwechselt vergessen. Näheres über die seltene Dobbelung. Deutscher Kleintier-Züchter 1/1992, S. 9-11. Oertel + Spörer, Reutlingen.

Wandelt, R. & Wolters, J. (1996): Handbuch der Hühnerrassen, Verlag Wolters, Bottrop.

Weber, H. (1977): Unsere Krüper Eine der ältesten Rassen. Deutscher Kleintier-Züchter 22/1977, S. 6-7. Oertel + Spörer, Reutlingen.

Wieden,F. (1927): Braune oder schwarze Schwänze bei den Bergischen Krähern. Geflügel-Börse 14.10.1927. Leipzig.

Wieden, F. (1949): Die Geschichte der Bergischen Kräher. Deutscher Geflügelhof 43/1949. Oldenburg.

Wieden, F. (1952): Bergische Hühnerrassen: Kräher Schlotterkämme Krüper. Der Geflügelzüchter 11/1952. Frankfurt.

Wieden, F. (1955): Bergische Kräher im Wandel der Zeit. Geflügel-Börse 11/1955, S. 5. Verlag Jürgens, Germering.

Wieden, H. (1967): Bergische Schlotterkämme. Deutscher Kleintier-Züchter 3/67, S. 5-7. Oertel + Spörer, Reutlingen.

Wieden, H. (1992): Die seltenen Bergischen Kräher. Deutscher Kleintier-Züchter 6/92, S. 4-6. Oertel + Spörer, Reutlingen.

Wolff, E.A. (1879): Leserbrief in der Wiener Geflügelzeitung Nr. 8, 3. März 1879 in: Die Bergischen Kräher. Geflügel-Börse 7.10.1927. Leipzig

 


 

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